Es war einmal ein Ort, an dem man sich immer wohl fühlte – so ward erzählt –
und solcher Orte soll es nicht gar viele mehr geben, ward gesagt – viele davon gibt es nicht mehr –
Das soeben Geschehene – unvergeßlich!
Empfindungen und Gefühle, noch immer nicht faßbar!
Gedanken und Worte werden im Geiste rekonstruiert...
„Und ich freue mich darüber, daß Du mich eines Teiles meines Weges begleitest, ihn mit mir teilst. Und wir wissen nicht, wohin er führt, aber es ist Unserer. Und ganz weit hinten in den wallenden Nebeln zwischen den Bergen sehen wir die Zinnen und Mauern unseres Traumschlosses. Aber wir haben es noch lange nicht erreicht, bis dorthin ist es noch ein langer Weg, und wir haben soeben nur eine kleine Pause eingelegt, eine der ersten Stationen passiert.“
„Und wenn es zu Verzweigungen kommt, und wenn Du Dich entscheiden mußt, so tue es erst, wenn Du alle Facetten meines Weges kennengelernt hast: die Launigen, die schier unberechenbar sein können – die Sumpfigen, in denen man im Morast watend, nicht abzuschätzen weiß, wie weit sie wohl gehen – die Windigen und harten, an denen man auf steinernem Boden zwischen den Felsen wandern muß und sich Skorpione und Schlangen zwischen den Spalten versteckt halten könnten – die Einsamen, wo einem weder Wanderer begegnen, noch Vögel in den Bäumen zwitschern und auch jene, die dermaßen zugewachsen und verwildert scheinen, daß man Mühe benötigt, den Pfad nicht zu verlieren.“
„Das ist unser wahrer Zaubertrank, aus einem kleinen Geschäft in einem Gäßchen in Paris, und man hat uns kosten lassen und berichtet, wodurch er sich von den Anderen unterscheidet: Der Geist, der nach dem Schlucken schnell verfliegt, bleibt bei diesem nachhaltig im Gaumen mit einzigartigem Nachgeschmack. Und siehe, wieviel sich noch in der Flasche befindet: So oft noch werden wir unsere Traumwelt aufsuchen. Und wenn die Flasche leer sein wird, werden wir in Paris sein, um eine Neue mitzunehmen.“
„Und als ich es geschrieben hatte, wußte ich noch nicht, daß die Zeit wirklich stehen bleiben wird.“
Martin soeben gekommen (in dem Moment kam Dein Anruf): „Das ist wohl die beste Frau von Dir, die ich gesehen habe. Das ist Dein Topmodell – also ich würde sofort eine Vollkasko-Versicherung abschließen!“
Mitternacht gerade vorüber. Noch geredet. Martin hält große Stücke von Dir. Augen fallen mir beinahe zu, aber ich muß einige Gedanken für Dich niederschreiben, da die Feinheiten bis morgen verhallt wären.
Seit einigen Tagen weiß ich bereits, daß ein abrupter Abbruch unserer Träume schlaflose Nächte auf unabsehbare Zeit für mich bedeuten würden. Und meine Gedanken gehen da noch weiter, doch Du spürst sie ohnedies, brauche sie nicht in Worte zu fassen. Ich denke darüber nach, wie weit ich bereit wäre zu gehen und ob ich mich in einem anfänglichen Liebestaumel befinde, der einfach irgendwann verebbt ist, oder ob ich diesen meinen Gefühlen blindlings trauen soll. Schließlich kenne ich mich und meine Bereitschaft, mich in Dinge fallen zu lassen. Vielleicht werde ich all meine Aufzeichnungen suchen, die vor einem Jahr gemacht wurden, als ich Margit kennenlernte, um im Nachhinein daraus zu ersehen, wie weit Realitätsbezug und Verliebtheit ineinander verschlungen waren. Nicht um Dich mit ihr zu vergleichen, sondern um Ähnlichkeiten in meinem eigenen Denk- und Empfindungsmuster zu bemessen. Denn ich kann nicht mehr klar denken, und dieses herrliche Gefühl verdanke ich DIR.
In jedem Moment, in dem ich heute nicht mit irgendwelchen allfälligen Dingen zu tun hatte, mußte ich an Dich denken. An Momente mit Dir, Mienen, Blicke und Gesten von Dir, Dein Lachen, Deine Bewegungen, Deine Laszivität und Deine Herzlichkeit.
Es fällt mir momentan schwer fortzusetzen, die totale Müdigkeit übermannt mich, es ist beinahe halb eins. Denke, ob Du schon schläfst, oder vielleicht sogar in diesem Moment sehr aktiv bist... Vielleicht spürst Du, daß ich gerade an Dich denke und mit den Gefühlen der Zufriedenheit, Ausgeglichenheit und Befriedigung zur Ruhe gehe.
Nach einer guten aber kurzen Nacht überschlagen sich Gedanken und Gefühle in selber Intensität wie schon gestern. Und ich denke an das Buch, von dem ich Dir erzählte, „mit den vielen Seiten, die alle leer zu sein scheinen, und der Inhalt entsteht, während man mit den Augen darüber fährt – und eine Seite dieses Buches der eigenen Welten haben wir gestern aufmerksam gelesen, und während des Lesens verschwinden Zeichen und Buchstaben wieder und die Blätter sind so weiß wie zuvor.“
Natürlich wissen wir beide, daß solche Situationen wie von uns innigst erlebt, nicht beliebig wiederholt werden können, da sich auch bei uns in seiner Form ein Alltag einstellen wird. Doch alleine die Tatsache, daß es dazu kommen konnte und kann, stellt eine Einzigartigkeit dar, die ihre Spuren in uns eingebrannt hat. Es sind momentan derart starke Gefühlswallungen, daß es einem selbst nicht möglich zu sein scheint, sie von Traum und Realität zu unterscheiden. Solange wir nicht zumindest teilweise fähig sind, den Boden der Tatsachen zu berühren, werden wir weiter in unseren Träumen fliegen, ohne Chance, unseren eigenen Verlauf zu steuern. Es wird sich der Moment einstellen, wo wir uns darüber im Klaren werden müssen, ob wir uns so nehmen, wie wir sind, und ob wir uns damit binden können. Denn wenn dadurch Dinge, die gewachsen sind und funktionieren, unterbrochen und beendet werden, sollte es nicht für ein paar schöne Stunden gewesen sein.
Ob unsere Begegnung den Grund darstellt, oder ob sie nur Anlaß ist, die eigene Lebensrolle und die damit zusammenhängende Zufriedenheit in Frage zu stellen, kann ich nicht beantworten und darf Dir auch nichts in den Mund legen.
Aber zugleich weiß ich nicht, ob sich mein Inneres bereit erklärt, den Boden der Realität zu suchen und zu erleben. Auch alte Aufzeichnungen, entstanden durch eine andere Person, ändern daran nichts, also warum überhaupt grübeln? Ist es nicht sinnlos? Es läßt sich nichts mehr beeinflussen, höchstens erschweren – denn durch unantastbare Gefühlsinstinkte wurde bereits längst entschieden.
Und ich gebe Dir Recht: „Es ist so schön, daß es weh tut!“