Schloss 3

Es war einmal ein Ort, an dem man sich immer wohl fühlte – so ward erzählt – und solcher Orte soll es nicht gar viele mehr geben, ward gesagt – viele davon gibt es nicht mehr – und auf der Wanderung sieht man gar viele Burgen von der Ferne oder auch von nahe – und mancher hat sich schon getäuscht in der Wahl, doch einige Seelen soll es geben, die spüren, ob sie auf dem rechten Weg zu ihrer Stätte wandeln.

So ergab sich, daß ich gar nicht mehr wußte, wie mir geschah, und ich hatte Angst, wie zu verhalten sei und welcher Weg zu gehen wäre. Und da fiel mir wieder in den Sinne, daß ich nicht zu fürchten hätte, da es kein Ende dieses Weges abzusehen wäre, kein felsiger Pfad, der vor einem Abgrund enden würde, keine langen Einsamkeiten ohne Dich, meine Prinzessin an meiner Seite, keine Macht, die uns beugen könnte, denn wir sind die Gesandten, die aufgebrochen sind, um jenen Weg zu erkunden, der Träume greifbar machen kann und es bei manchen Stationen spüren läßt, und die Macht, unter deren Namen wir wandeln, ist die Liebe, und sie hat uns bereits umschlungen und aneinander gefesselt, daß wir nicht mehr fliehen können.

Und ich bin jetzt froh, daß es so gekommen ist, und obwohl ich nicht weiß, wann Du diese Zeilen, die ich Dir hier vorbereite, lesen wirst – ich weiß zugleich, daß Du sie spürst, während ich sie schreibe – hier entsteht jenes Buch, von dem ich Dir erzählte, und die Zeilen haben ihre eigene Kraft, mit der sie jene Person erreichen, für die sie gedacht sind, wo sie auch sei. Und danach kann ich mich zurücklegen, denn ich weiß, daß die Brieftaube in unseren Träumen auf dem Wege zu Dir ist, und sie nimmt immer den kürzesten Weg, indem sie jenen Stern streift, der uns verbindet und dessen Amulett ich von Dir, meine Allerliebste, erhielt und am Halse trage, solange es mir möglich ist.

Und unsere gemeinsamen Melodien begleiten mich hier und ich weiß noch, bevor diese Nacht vorüber gegangen ist, damit der Schlaf meinen Geist von fehlbaren Gedanken gereinigt hätte, daß ich meine Kraft nicht zur Ruhe legen kann, denn damit würde ich Dich in Deinen Gefühlswogen alleine lassen. Mein eigen Herz verbietet es mir, für Dich nicht zu kämpfen und nur zu warten. So werde ich all meine Macht, die in meinem Geiste versteckt sein mag, erwecken. Und mein eigen Ritual, das dazu erforderlich ist, werde ich heute nächtens zelebrieren, denn ich weiß, Dich zu erreichen und Deine Gedanken und Gefühle zu lesen, als wären es meine, werde Angst und Hoffnungen mit Dir teilen. Und wenn Du im Geiste nach mir rufst, werde ich erwachen, bevor Du mich erreichen kannst, denn die Gedanken sind so schnell wie das Licht.

Und glaube nicht mehr an Zufälle, wenn Du meinst, ihnen zu begegnen – es steht schon geschrieben in unserem Buche: alle Verzweigungen, Hindernisse und Stolpersteine, alle Begegnungen und Hinweise des Schicksales auf unserem Wege sind schon entschieden. Füge Dich, meine allerliebste Prinzessin, lege Deinen Kopf an meine Brust und Du wirst merken, daß wir schon im selben Rhythmus atmen, und laß uns dorthin entschweben, wo uns Niemand mehr folgen kann, damit wir gestärkt mit neuer Kraft zurückkehren können und alle Dinge richten können, die sonst so schwer zu klären wären.

Und sollte in ferner Zeit ein Zweifel entstehen, und wir uns unseres Weges nicht mehr sicher sein sollten, so werden wir uns diese Zeilen nehmen und sie uns vorlesen, wie eine Geschichte, die man dem Kinde zur Nacht vorträgt, und wir werden dieses, unser gemeinsames Band neu knüpfen und stolz darauf sein können.

Und irgendwann kann ich beginnen, neue Geschichten aus unserem Märchen abendlich vorzutragen, so wie ich es im vergangenen Jahr immer wieder getan habe, doch davon kannst Du nicht wissen, welch Auswahl und kindliche Phantasie ich zu entwickeln fähig bin.

Und seit ich nur noch an Dich denke, möchte ich wieder malen, denn damit habe ich mich immer auszudrücken gewußt, was mir in Worten oft nicht möglich war zu sagen.