Der Maler

Die Malerei war immer nur ein Hobby. Aufgefallen ist er damit schon in der Schule.

Später, als er auf Anraten von Freunden und Bekannten wirklich seine erste Ausstellung machte, stand er damit auf der Titelseite der Boulevardblätter in Mödling. Es war das Jahr 1984. Eine kleine Abendbar namens Croquee, die es schon lange nicht mehr gibt.

Doch das Auffallendste daran war sein unerschütterlicher Widerwille, auch nur ein einziges seiner Bilder herzugeben.

Schnell hatte er begriffen, dass nur ER den Bezug dazu haben konnte. Die Bilder waren seine Zeitzeugen und sind es immer noch. Seine Kalenderblätter ohne Datum.

Denn er malte nie, wenn er gerade Zeit dazu hatte; konnte das gar nicht. Ryborz malte nur, wenn ihm Dinge durch den Kopf gingen, die ihn seinen Schlaf kosteten, ihn so sehr beschäftigten, dass er nicht mehr ein noch aus wusste.

Emotionen, Probleme, Schicksalsschläge – und davon gab es einige, bereits in jungen Jahren.

Er malte am häufigsten zwischen Mitternacht und fünf Uhr in der Früh, in der Totenstille, wenn alle schlafen.

Und wenn er seine Gedanken nicht ordnen konnte, so schrieb er sie auf. Denn in dem Moment, in dem man seine geistigen Symbolwelten, Gefühle und Bilder in nüchterne Grammatik von Worten fasst, ordnet man sie, wie man es nie besser könnte – und wenn man noch so lange nächtens die Decke über dem Bett hypnotisieren würde.

Oder er malte eben. Sprach sich aus mit der Welt – mit seiner Welt. Danach konnte er schlafen.

Und wenn er irgendwann eines seiner Bilder durch Zufall in die Hand bekommt, dann weiß er genau, wann das war, wo es war und warum dieses Bild existiert.

Und sowas kann man doch nicht einfach „verkaufen“. An Nichtwissende, die diese Geheimschrift nicht lesen können. Denen einfach nur das Bild gefällt, und sie es haben wollen. Denn wenn es ihnen irgendwann nicht mehr gefällt, landet es irgendwo und darf vor sich hin verrotten.

Ryborz malt noch. Selten. Aber er tut es noch.

Bildergalerie

Zurück